Durch ein Gespräch über Eltern- bzw. Muttersein, Fremdbetreuung im Kleinkindalter und deren Auswirkungen hat mir eine Freundin einen Artikel von Focus.de weitergeleitet.

Beim durchlesen wurde es mir heiß und kalt, bis zum Ende schaffte ich es beim ersten Mal lesen nicht. Vielleicht wundert sich der ein- oder andere über diese Aussage, hier meine Erklärung:

Als 1,5 jähriges Kind wurde ich für ein Jahr von meinen Eltern getrennt. Warum und Wieso ist eine andere Geschichte, nur so viel – ich bin in der DDR geboren und meine Eltern waren nicht glücklich mit jenem „System“. Als meine Mutter fort war, wurden meine Schwester und ich in ein Krankenhaus gebracht. Wir waren nicht krank doch wusste man wohl nicht, was man mit uns machen soll, wo wir unterzubringen seien. Nach zwei Wochen kam ich zu meiner Tante, und im Verlauf auch in die „Wochenkrippe“. Kinder, die in der Wochenkrippe betreut wurden kamen Montags morgens dort an und wurden Freitag nachmittags wieder abgeholt.

Diese Trennung von den Eltern bzw. Bezugspersonen hat Schäden hinterlassen. Und genau deswegen fiel es mir sehr schwer, den Artikel bis zum Ende durchzulesen. Denn, alles was ich dort lesen kann stimmt mit meiner Erfahrung überein.

Meine seelische Gesundheit war als Teenager eine Katastrophe, bis Mitte 20 (schon verheiratet und mit Kindern) weckte jeder Konflikt in mir die Todessehnsucht. Dass ich noch lebe, habe ich allein Gott zu verdanken. Schon sehr früh haderte ich mit meinem Dasein.

Vertrauen, bzw. Urvertrauen kenne ich nicht. So hart es ist darüber zu schreiben- ich vertraue niemandem komplett – nicht einmal meinem Ehemann. Zu groß ist die Angst, verlassen oder verletzt zu werden. Was „gesunde“ Beziehungen bedeuten fange ich jetzt, mit Mitte 30, an zu lernen. Das zugefügte Bindungstrauma wird noch eine Zeit brauchen, bis es mich nicht mehr schmerzt (wenn es denn je so weit kommt)

Etwas zu fühlen -außer Zorn oder Wut- war ich lange Zeit nicht im Stande. Mit Anfang zwanzig durfte ich mir durch Seelsorge helfen lassen und ich bin dankbar, dass ich heute ein größeres Gefühls-Repertoire zur Verfügung habe. Das ist nur ein kurzer Auszug über die Auswirkungen, die die Fremdbetreuung auf mich hatten. Über die Jahre ist einiges geheilt, mit anderen Dingen werde ich noch länger beschäftigt sein.

Mein Anliegen mit diesem Post ist es, die Sensibilität für dieses Thema zu stärken. Heute werden die Kinder nicht „weggenommen“, die Mütter sind schon so weit, sie klaglos der Fremdbetreuung zu überlassen obwohl es in vielen Fällen eine Alternative gäbe. So etwas zu erleben bereitet mir fast körperliche Schmerzen, häufig muss ich mich innerlich distanzieren um nicht unhöflich zu werden.

Liebe Mütter: Lasst euch nicht von den Medien, der Politik oder sonst wem verblenden, hört auf euren Instinkt und eure Intuition und bleibt bei euren Kindern! Wir tun alles um unsere Kinder gesund zu ernähren, ihrem Körper genügend frische Luft und Bewegung zu ermöglichen aber FAKT ist: Liebe Mutter, das WICHTIGSTE für dein (Klein)Kind bist DU!!!

Ich weiß, dass es Mütter gibt die keine andere Wahl haben als ihr Kind in die Fremdbetreuung zu geben, um diese sollte es hier aber nicht gegangen sein.